• Der bedrohte Kiebitz Vanellus vanellus ist der "Wappenvogel" der Ala. Dieses Küken ist erst wenige Tage alt.

  • Die Ala hat zu ihrem 100-jährigen Bestehen 2009 mehrere Schutz- und Forschungsprojekte zugunsten des Kiebitzes unterstützt.

  • Der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes versteckt jedes Jahr mehrere 10'000 Arvennüsse als Wintervorrat – und findet die meisten wieder.

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    Die exotisch wirkende Bartmeise Panurus biarmicus ist die einzige Vertreterin ihrer Familie in Europa.

  • Der Turmfalke Falco tinnunculus ist der häufigste Falke in der Schweiz.

  • Der Haubentaucher Podiceps cristatus ist bekannt für seine spektakulären Balzrituale.

  • Das hübsche Blaukehlchen Luscinia svecica ist in Europa mit mehreren Unterarten vertreten. Das weisssternige kommt in der Schweiz ausschliesslich als Durchzügler vor.

  • Der Graureiher Ardea cinerea wurde früher als Fischfresser verfolgt und fast ausgerottet, mittlerweile hat sich der Bestand in der Schweiz erholt.

Manuel Schweizer wurde an der Mitgliederversamlung im Frühjahr 2017 als Nachfolger von Gilberto Pasinelli ins Ala-Präsidium gewählt. Er ist mittlerweile 6 Monate im Amt – ein guter Zeitpunkt, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Das Interview führte Mathias Ritschard.

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Lieber Manuel, stell dich bitte in 2 Sätzen kurz vor.

Seit meiner Kindheit bin ich begeisterter Ornithologe und mit meiner Tätigkeit als Kurator am Naturhistorischen Museum Bern konnte ich mein Hobby zum Beruf machen. Ich bin verheiratet, Vater einer halbjährigen Tochter und lebe in Bern.

Du bist nun seit einem halben Jahr im Amt als Präsident der Ala. Was hat dich dazu bewogen, dieses anspruchsvolle Amt zu übernehmen?

Für mich ist es eine grosse Ehre als Präsident der Ala in die Fussstapfen verschiedener Persönlichkeiten der Schweizer Ornithologie zu treten. Als Wissenschaftler ist es mir ein Anliegen, die Vogelkunde in der Schweiz mit den vielseitigen Aktivitäten der Ala wie Kurse, Exkursionen oder Symposien sowie der Herausgabe des „Ornithologischen Beobachters“ zu fördern. Fast noch wichtiger ist für mich aber der Vogelschutz. Dieser kommt nämlich in meiner täglichen Arbeit etwas zu kurz. Mit meinem Engagement in der Ala habe ich die Möglichkeit, bei politischen Prozessen wie z.B. Vernehmlassungen mitzuwirken und als Landesorganisation von BirdLife Schweiz gezielt Akzente im Naturschutz zu setzen.

Was waren bisher die grössten Herausforderungen im neuen Amt und welche Baustellen stehen in naher Zukunft bevor?

Für mich war es in den ersten Monaten vor allem wichtig, mir einen Überblick über die Arbeiten, die im Jahresverlauf erledigt werden müssen, zu machen. Dabei war mir unsere Sekretärin, Karin Lüscher, eine grosse Hilfe. Der „Ornithologische Beobachter“ bedient als nahezu einzige verbleibende deutschsprachige Zeitschrift zur wissenschaftlichen Ornithologe eine „Marktlücke“. Im „OB“ haben über Jahrzehnte nicht nur professionelle Forscherinnen und Forscher, sondern auch Hobbyornithologinnen und -ornithologen aussergewöhnliche Beobachtungen oder Ergebnisse von Langzeitstudien publiziert. Leider sind immer weniger sogenannte „Amateure“ bereit, ihre spannenden Daten zu einer Publikation zu verarbeiten. Die Ala muss zusammen mit der Redaktionskommission einen Weg finden, Leute zu motivieren, solche wertvollen Daten weiterhin zu veröffentlichen, so dass diese nicht in Notizbüchern, in Exceltabellen oder in den Weiten des Internets verloren gehen. Das ist eine grosse Herausforderung und daran arbeiten wir im Moment.

Wenn Du ein Vogel wärst, welcher wäre es und warum?

Ich stelle mir das Leben einer Küstenseeschwalbe als ziemlich spannend vor: Wenn man jedes Jahr von der Arktis in die Antarktis und zurück fliegt, sieht man definitiv etwas von der Welt!

An welchen Projekten arbeitest Du im Moment privat und beruflich?

Privat geniesse ich die neue Familiensituation und versuche möglichst viel Zeit draussen beim Vögelbeobachten zu verbringen. Zudem ist mir der Sport als Ausgleich zu meinen teilweise hektischen Arbeitstagen sehr wichtig. Beruflich befasse ich mich mit verschiedenen Projekten zur Evolutionsgeschichte diverser Vogelgruppen, zum Beispiel der asiatischen Uferschwalben oder der Mittelmeer-/Nonnensteinschmätzer. Dabei schauen wir zur Rekonstruktion von Verwandtschaftsbeziehungen und Populationsgeschichten nicht mehr nur Daten von einzelnen DNA- Abschnitten an, sondern von grossen Teilen des Genoms. Das ist eine ziemliche Herausforderung.

Welchen Ornithologen oder welche Ornithologin – egal ob aus aktueller oder vergangener Zeit – würdest Du gerne kennen lernen und warum?

Ich hatte in den letzten Jahren das Glück, viele bekannte Ornithologinnen und Ornithologen zu treffen, mit ihnen zu korrespondieren oder sogar in Projekten zu kollaborieren. Aus vergangener Zeit faszinieren mich besonders Entdecker und Forschungsreisende, die für die Wissenschaft viele Entbehrungen auf sich nahmen und teilweise sogar ihr Leben riskierten wie Zarudyi, Heuglin, Prschewalski, Rüpell oder David. Unterhalten hätte ich mich gerne einmal mit Allan Octavian Hume, dem Vater der indischen Ornithologie, der als Mitgründer der Indischen Kongresspartei auch die Grundlage für die indische Unabhängigkeit geschaffen hat.

An welches ornithologische Erlebnis erinnerst Du dich gerne und welchen Vogel würdest Du gerne mal in freier Wildbahn beobachten?

Da gibt es viele, aber an unerwartete Entdeckungen erinnere ich mich am liebsten, zum Beispiel an die des ersten Buschspötters für die Schweiz am 7.10.1998 im Fanel/Chablais de Cudrefin. Ich würde gerne einmal durch ein friedliches Afghanistan reisen und dort im zentralen Hochland den endemischen Theresaschneefink beobachten – aber das bleibt wohl leider für die nächsten Jahre ein Traum.

Jetzt noch zwei Fragen, die garantiert nichts mit Vögeln zu tun haben. Mit welchem Sportklub fieberst Du mit?

Natürlich mit dem BSC YB und dem SC Bern, aber am liebsten mache ich selber Sport – Joggen, Boxtraining und Eishockey im Winter.

Was ist das letzte Konzert, das Du besucht hast?

“Bruce Springsteen and the E-Street Band” im Letzigrund in Zürich im letzten Sommer.

Zum Schluss möchte ich gerne wissen, wo Du die Ala in 10 Jahren siehst.

Die Ala erreicht mit ihren spannenden Aktivitäten einen grossen Teil der wachsenden Gemeinschaft von Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachtern und wissenschaftlichen Ornitholginnen und Ornithologen. Als begeisterter deutschsprachiger Vogelkundler ist es ein Muss und eine Selbstverständlichkeit, den „OB“ regelmässig zu lesen. Die Reservate der Ala werden weiterhin von ehrenamtlichen Reservatsbetreuerinnen und Reservatsbetreuern kompetent und zielorientiert betreut und gepflegt. Mit politischer Lobbyarbeit setzt sich die Ala effizient für den Vogel- und den Naturschutz insbesondere in der Schweiz ein.

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